Mein Lehrweg
Kind und Jugendliche
Ich bin mit eigenen Pferden aufgewachsen und habe früh Erfahrungen im Geländereiten und in der Bodenarbeit sammeln dürfen. Damals habe ich – aus heutiger Sicht aus Unwissenheit – durchaus gegen die deutsche Reitlehre, vertreten durch die FN, „gewettert“ und mich ganz der VFD (Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer Deutschlands e.V.) verschrieben. Ich habe sämtliche Juniorpassprüfungen früher absolviert als vorgesehen und direkt im Anschluss die Geländereiterprüfung abgelegt.
Schon in dieser Zeit kam ich mit unterschiedlichsten Rassen und Reitweisen in Kontakt und konnte mich vielseitig ausprobieren. So bin ich beispielsweise einige Jahre im Westernreiten unterwegs gewesen und dort auch auf Turnieren gestartet. Ich bin dabei schon immer ein wenig aus der Reihe getanzt – etwa, als ich in einem Dressurreiterwettbewerb Schritt–Trab–Galopp platziert war, allerdings im Westernsattel und in Lederhose.
Später führte mich mein Weg zur Légèreté, der ich über viele Jahre sehr überzeugt gefolgt bin. Heute kann ich all diese Erfahrungen einordnen und meine ReitschülerInnen in ganz unterschiedlichen „Lebenslagen“ und Lernphasen abholen. Ich verstehe den Wunsch, nach Alternativen zu dem zu suchen, was im Alltag oft als „FN-Reiten“ bezeichnet wird.
Dank der umfangreichen Pferdebibliothek meiner Mutter und dem Kontakt zu einer leidenschaftlichen Trakehnerzüchterin fand ich schon früh den Weg zu einem intensiven Studium der Theorie. Bei der Züchterin durfte ich nicht nur viele unterschiedliche, hervorragend ausgebildete Pferde reiten, sondern erhielt zu jeder Reiteinheit zusätzlich mehrere Stunden Theorieunterricht. Darüber hinaus legte sie großen Wert darauf, mir trotz meines jugendlichen Ungestüms Demut zu vermitteln und mich die Reiterei als Kunst verstehen zu lassen.
Mit 16 Jahren habe ich meinen Kutschführerschein absolviert. Ich unterrichte nicht im Bereich des Kutsche fahrens. Aber die Weiterbildung war sehr spannend und kann ich definitiv empfehlen.
2014
Ausbildung zur damals jüngsten Geländerittführerin der VFD Deutschlands
2015/2016
Zu Beginn habe ich in einem Springstall in der Nähe von Auckland, Neuseeland gearbeitet. Anschließend führte ich über die Sommermonate hinweg Ritte für Touristen in den neuseeländischen Alpen am bekannten Mt Cook (Aoraki), dem höchsten Berg Neuseelands.
Seit 2016
Zunächst absolvierte ich ein Praktikum bei Richard Hinrichs, dem Präsidenten des Bundesverbandes für klassisch-barocke Reiterei e.V. Im Anschluss blieb ich – bis heute – seine Schülerin.
In den ersten Jahren war ich sehr regelmäßig bei ihm und durfte das Reiten von Grund auf neu erlernen. Ich lernte bei ihm wirklich „von der Pike auf“. Wenn ich von einer Zeit voller „Blut, Schweiß und Tränen“ spreche, ist das keine Übertreibung. Er und seine Lehrpferde haben den Grundstein für meine reiterliche Entwicklung gelegt. Ohne diese intensive, strenge und disziplinfordernde Lehrzeit würde ich heute wohl noch immer eher einen „unkontrollierten Fleischtransport“ darstellen.
Wenn erfahrene ReiterInnen davon berichten, wie sie sich unter ihrem Lehrmeister vom Boxenmisten und Pferdeführen bis zum Eleven hochgearbeitet haben, kann ich das gut nachvollziehen – ich hatte die Ehre, einen ganz ähnlichen, fordernden Weg gehen zu dürfen.
Heute schaffe ich es leider nicht mehr so häufig zum Training bei Herrn Hinrichs. Dennoch bleibt er mein Mentor, der mir jederzeit mit ehrlichem Rat zur Seite steht.
2017/2018
In dieser Zeit freundete ich mich mit Marike Ahlers an. Marike ist eine sehr erfolgreiche internationale Springreiterin, welche auch schon mehrfach auf dem Hamburger Derby gestartet ist. Sie war mein erster Kontakt zur "Sportreiterei". Durch sie fing ich an, meine Glaubenssätze bzgl. der FN zu hinterfragen - immerhin reitet sie das Hamburger Derby gebisslos und trainiert Zuhause mit Halsring, um ihre eigene Handeinwirkung immer wieder zu korrigieren.
2019
Durch eine weitere enge Freundin, lernte ich das eigentliche "Reiten nach FN" kennen. Sie wurde streng nach den Richtlinien für Reiten und Fahren der FN sowie nach den Lehren von Müseler ausgebildet. Das Ergebnis sprach für sich. Ich durfte ihr Pferd reiten und war regelrecht überfordert. Das Pferd war konsequent nach der Skala der Ausbildung ausgebildet worden und vermittelte dem Reiter ein unfassbares Gefühl der Leichtigkeit und Souveränität. Ein Pferd, das gänzlich seinen eigenen Körper in Selbsthaltung trägt und bei dem Durchlässigkeit keine Frage der Theorie blieb. Ein himmelweiter Unterschied zu dem "FN-Reiten", das ich vorher in Reitvereineinen und auf Turnieren kennenlernen durfte und welches, so weiß ich es heute, nichts mit den Richtlinien zu tun hat.
2021
Während ich bereits einige ReitschülerInnen unterrichtete und immer mal wieder Pferde beritt, trat im Jahr 2021 Kerstin Gerhardt, Bereiterin FN und ehemalige Berufsschullehrerin für Pferdewirte mit ihrem Motto "Konsequent korrekt, klassisch" in mein Leben. Nach einigen lehrreichen Unterrichtseinheiten wurde sie vor allem eine Mentorin für mich, die mich auf meinem weiteren Weg intensiv unterstützte und mir jegliche Fragen beantwortete. Durch sie lernte ich die Theorie hinter der feinen Ausbildung nach FN kennen und schätzen.
2019-heute
Parallel zu meinem neuen, aufregenden Weg im Erlernen der Richtlinien, ließ ich den Tellerrand nicht aus den Augen. Durch FreundInnen und meine Mutter wurde ich intensiver in das Training von Gangpferden aller Art, in die Working Equitation, weitere Arbeitsreitweisen, auch mit Rindern, aber auch weiterhin durch Herrn Hinrichs in die barocke Reitkunst eingewiesen. Das parallele Lernen von vielen verschiedenen Ansätzen in der Arbeit mit Pferden war herausfordernd. Bis heute bin ich aber der Meinung, dass gerade dieses breit gefächerte Wissen notwendig ist, um guten Reitunterricht erteilen zu können.
Februar 2024
Im Jahr 2024 führte mich mein Weg auf den Dorotheenhof von Falk Stankus. Dort absolvierte ich zunächst den gesamten Monat Februar sowie später nochmals im Sommer ein Praktikum. Falk Stankus ist Pferdewirtschaftsmeister (Reiten), Träger der Stensbeck-Auszeichnung sowie des Goldenen Reitabzeichens.
Besonders beeindruckt hat mich die Art und Weise, wie dort Pferde ausgebildet werden: mit großer Feinheit, viel Geduld und einem kompromisslosen Blick auf die Bedürfnisse des Pferdes – ohne dabei auf sportlichen Erfolg verzichten zu müssen. Diese Verbindung erschien mir noch zehn Jahre zuvor nahezu widersprüchlich.
2024/2025
Um mein reiterliches Repertoire um das Springreiten zu erweitern, begann ich, neben meinem Hauptberuf ein- bis zweimal pro Woche im Ausbildungsstall Irenenhof von Andreas Dibowski mitzuarbeiten. Auf eine ausführliche Auflistung seiner zahlreichen sportlichen Erfolge bis hin zur Teilnahme an Olympischen Spielen im Vielseitigkeitssport verzichte ich an dieser Stelle und verweise stattdessen auf seine Website.
Zu meinen Aufgaben gehörte die tägliche Stallarbeit. Im Gegenzug erhielt ich die Möglichkeit, auf seinen Pferden zu reiten und regelmäßig Unterricht bei ihm zu nehmen. Diese Zeit war für mich außerordentlich lehrreich und prägend.
Als ich auf den Irenenhof kam, war ich im Springreiten noch weitgehend unerfahren. Seit mindestens sieben Jahren hatte ich nicht mehr in einem Springsattel gesessen. Unter Andreas' Anleitung entwickelte ich mich jedoch kontinuierlich weiter. Am Ende meiner Zeit dort – die ich aufgrund der zeitlichen Belastung durch meinen Hauptberuf leider beenden musste – absolvierte ich mit meinem selbst ausgebildeten Lusitano meinen ersten A*-Springparcours.
Für die fachlichen Impulse, die wertvollen Erfahrungen und die Möglichkeit, einen vertieften Einblick in den Springsport zu erhalten, bin ich bis heute sehr dankbar.
November 2024
Meine bisher eindrucksvollste Lehrzeit durfte ich im November 2024 erleben: ein Praktikum bei Ingrid Klimke.
Gemeinsam mit einem meiner Pferde erhielt ich die Möglichkeit, in ihrem Ausbildungsstall mitzuarbeiten. Neben der täglichen Stallarbeit durfte ich ihre Pferde kennenlernen, teilweise mitreiten und mit meinem eigenen Pferd Unterricht bei ihr sowie ihren Auszubildenden erhalten.
Besonders beeindruckt hat mich die Selbstverständlichkeit, mit der dort höchste sportliche Ansprüche mit einem außerordentlich pferdegerechten und liebevollen Umgang verbunden werden. Die Pferde werden auf internationalem Spitzenniveau ausgebildet und vorgestellt, dürfen dabei aber dennoch Pferd sein.
Das Mitreiten einiger ihrer Pferde zeigte mir deutlich, wie viel es für mich noch zu lernen gab. Gleichzeitig war diese Erfahrung eine wertvolle Standortbestimmung meines damaligen reiterlichen Könnens und eine große Motivation für meinen weiteren Weg.
Für das Vertrauen, das mir während dieser Zeit entgegengebracht wurde, bin ich bis heute unfassbar dankbar. Dass ich mehrere Pferde mitreiten durfte, teilweise sogar ohne Aufsicht, empfinde ich keineswegs als selbstverständlich. Umso mehr habe ich mich über die Einladung gefreut, jederzeit für ein weiteres Praktikum zurückkehren zu dürfen.
Ich hoffe sehr, dass ich mir diesen Wunsch in Zukunft zeitlich und finanziell erneut erfüllen kann.
2025
In diesem Jahr habe ich angefangen, mir ein weiteres TrainerInnen Netzwerk aufzubauen. Ich erhalte, mehr oder weniger regelmäßig, Springunterricht bei Sven Vogelsang (erfolgreich bis S-Springen) und Dressurunterricht mit Schwerpunkt auf Turniere bei Pascale Simone Kühnel (erfolgreich in der Dressur bis zur schweren Klasse und im Springen bis zur Klasse M). In den Jahren 2024 und 2025 hatte ich zudem gelegentlich Reitunterricht bei Cathryn Rippelbeck (CRDressur).
Seit Sommer 2025 trainiere ich regelmäßig bei Nina Krummen-Bojer aus dem Emsland. Nina ist für ein echter Geheimtipp. Eigentlich nimmt sie keine neuen SchülerInnen mehr auf, weshalb ich mich umso mehr über die Möglichkeit freue, von ihr lernen zu dürfen. Sie selbst wurde von Rudolf Zeilinger und Paul Smit ausgebildet.
Nina ist die konsequenteste Lehrerin in Bezug auf Pferdewohl und feines Reiten, die ich bisher kennenlernen durfte. Wackelt ein Ohr des Pferdes, ist meine Hand vermutlich noch zu fest. Beherrscht das Pferd fliegende Wechsel, Piaffe und andere Lektionen der schweren Klasse? Für Nina kein Grund, Abstriche bei den Grundlagen zu machen. Dann geht es zurück zu den Basics, weil die Losgelassenheit noch nicht vollständig erarbeitet ist oder ein Übergang nicht ausschließlich über den Sitz geritten wurde.
Dabei orientiert sie sich konsequent an der Ausbildungsskala und insbesondere an der Reitlehre von Wilhelm Müseler. Durch ihr Training habe ich erst wirklich verstanden, was es bedeutet, korrekt nach den Grundsätzen der klassischen deutschen Reitlehre zu reiten.
September 2025
Ausbildung und Prüfung zur Trainerin C FN Basissport bei Johannes Beck-Broichsitter.












